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Rauchfreie Schule - Informationen für Eltern

Informationen für Eltern zum Thema „Rauchfreie Schule“

 

Hintergründe

Der Zigarettenkonsum stellt in Deutschland das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko für Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen dar. Raucher sterben unabhängig von ihrer sozialen Schichtzugehörigkeit etwa 15 Jahre früher als Nichtraucher. Bei Jugendlichen haben die Auswirkungen des Rauchens besonders schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Für Jugendliche, die vor dem 15. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnen, ist die Wahrscheinlichkeit, ein ganzes Leben lang Raucher zu bleiben, sehr hoch - ihr Abhängigkeitspotential ist aufgrund des frühen Einstiegsalters besonders ausgeprägt - und das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben ist 10mal höher als das altersgleicher Nichtraucher.

Die europäische Schülerbefragung zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD), welche 2003 auch in Hessen mit 1.928 Schülerinnen und Schülern in 9. und 10. Klassen durchgeführt wurde, zeigte unter anderem: Insgesamt 32% der befragten Jugendlichen hatten in den letzten 30 Tagen vor der Befragung täglich Zigaretten geraucht. (Hierin sind Angaben zu niedrigerem Tabakkonsum nicht enhalten.)

Diese alarmierenden Befunde machen Schritte zur
frühzeitigen Prävention des Tabakkonsums dringend notwendig!

Geeigneter Ort der Prävention ist vor allem die Schule. Kinder und Jugendliche verbringen dort einen großen Teil ihrer Zeit und bauen ihre freundlschaftlichen Beziehungen auf. Und bekannt ist ja schon lange der Einfluss Gleichaltriger auf das (Rauch-)Verhalten Jugendlicher.

Raucherecken – die Lösung?

Rauchen ist schon seit 1997 prinzipiell an Schulen nicht erlaubt – möglich war aber bisher eine schulinterne Regelung, wie das Rauchen der über 16-Jährigen und der Lehrkräfte in einem gewissen Rahmen möglich sein sollte. Die bisherige Praxis waren daher oftmals die „Raucherecke“ auf dem Schulhof und das „Raucherlehrerzimmer“.

Problematisch an diesen „besonderen Stellen“ ist allerdings – neben der schwierigen Kontrolle des Alters in Raucherecken und dem damit verbundenen Mehraufwand für Lehrkräfte – dass sie an jüngere Schülerinnen und Schülern kontraproduktive Signale senden können: Sie erleben das Rauchen als akzeptiertes und erstrebenswertes Verhalten, das mit einer häufig von ihnen bewunderten Altersgruppe (den „Großen“) verbunden ist.

Raucherecken erhöhen unterschwellig die Attraktivität des Rauchens!

Rauchverbot an Schulen

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen und gestützt auch durch Befunde aus dem Ausland (z.B. Kanada / USA), dass restriktive Kontrolle des Tabakkonsums Jugendlicher tatsächlich einen deutlichen Rückgang des Rauchens bewirkt, wird ab dem 01. Januar 2005 das Hessische Schulgesetz folgende Formulierung enthalten: „Rauchen ist im Schulgebäude und auf dem Schulgelände nicht gestattet.“ (Hess. Schulgesetz, § 3, Absatz 9, Satz 3)

Für Lehrkräfte gilt diese Satzung ebenso wie für „ältere“ Schülerinnen und Schüler – sie sind dazu aufgerufen ein positives Rollenmodell für ihre Schülerinnen und Schüler darzustellen.

Erlass „Auf dem Weg zur rauchfreien Schule“ (21.12.2004)

Zentrale Inhalte

Für einen Übergangszeitraum (01.01.2005 bis 31.07.2005) gilt:

  • Die Raucherecken werden abgeschafft. Die Schule erklärt sich – noch freiwillig – für rauchfrei. Das gesetzliche Rauchverbot ist inzwischen in Kraft, der Verstoß wird aber noch nicht sanktioniert.

Die Implementierung der Rauchfreiheit soll in dieser Zeit an den Schulen vorbeitet bzw. unterstützt werden durch Maßnahmen wie z.B.:

  • Abschaffung der Raucherecken
  • Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Rauchfreie Schule“, in der Eltern, Lehrkräfte und (ab der Sekundarstufe I) Schülerinnen und Schüler (ggf. Vertreterinnen und Vertreter des Schulträgers) vertreten sind und die die Entwicklung hin zur rauchfreien Schule beobachtet, evaluiert, weiterentwickelt und koordiniert und die als Ansprechpartner zur Verfügung steht,
  • Hinweise zur Rauchentwöhnung: Nikotinentwöhnung für Jugendliche z.B. www.vtausbildung.de/praevention/nr_jugendl.htm (Institut für Therapieforschung) oder BzgA-„Startpaket“ (kostenlos erhältlich unter www.bzga.de)
  • Einbindung der Eltern (Thematisieren des Rauchverbots auf Elternabenden)

Zeitraum

Ab dem 01.08.2005 gilt in allen hessischen Schulen das Rauchverbot, d.h. nach dem Übergangszeitraum wird der Verstoß gegen das Rauchverbot sanktioniert.

Kontrollen und Maßnahmen (Beispielsweise)

Konsequente Kontrollen durch alle Aufsicht führenden Lehrkräfte sind zwingend notwendig.

Maßnahmen gegenüber Schülerinnen und Schülern bei Verstoß gegen das Rauchverbot:

  • Pädagogische Maßnahmen
  • Ordnungsmaßnahmen

Alle Maßnahmen müssen dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen.

Maßnahmen gegen Lehrerinnen und Lehrer bei Verstoß gegen das Rauchverbot:

  • formlose Hinweise des Schulleiters als Kollegen,
  • formlose Hinweise des Schulleiters als Dienstvorgesetztem,
  • förmliche Belehrungen des Schulleiters als Dienstvorgesetztem,
  • ...
  • Einleitung eines Disziplinarverfahrens

Maßnahmen gegenüber Lehrkräften müssen ebenfalls dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen.

Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten der Elternschaft

Da ein Großteil der Sozialisation Jugendlicher (außer in der Schule) im Elternhaus abläuft, sind besonders Sie als Eltern nachdrücklich zur Unterstützung bei der Präventionsarbeit aufgerufen! Ihre Unterstützung bei schulischen Maßnahmen und Projekten ist von entscheidender Bedeutung. Wie Sie selbst Ihrem Kind Hilfe im Umgang mit Tabak und anderen Drogen anbieten können, erfahren Sie z.B. unter www.starke-eltern.de. Informationen und Materialien erhalten Sie ebenfalls bei Schule & Gesundheit (Projektbüro). Es wäre natürlich sehr begrüßenswert, wenn Sie mit gutem Beispiel voran gehen und nicht rauchen! Unterstützung bei der Raucherentwöhnung finden Sie z.B. unter www.who-nichtrauchertag.de/WHOFlyer.pdf (WHO) oder bei der BzgA: Das "rauchfrei Startpaket" kann kostenlos unter folgender Adresse bestellt werden: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax: 0221-8992257, E-Mail: order@bzga.de, www.bzga.de

Der Landeselternbeirat Hessen hat im Übrigen das Rauchverbot an Schulen ausdrücklich begrüßt:

Votum Landeselternbeirat:

Der Landeselternbeirat von Hessen begrüßt prinzipiell das Rauchverbot an Hessens Schulen.

Das 3. Gesetz zur Qualitätssicherung in hessischen Schulen verbietet in der Zukunft das Rauchen in der Schule. Dies ist vom Grundsatz her zu begrüßen. Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass vor allem die Zahl der jugendlichen Raucher steigt. Gleichzeitig weiß man, dass Rauchen eine tödliche Droge sein kann und Rauchen sehr früh abhängig macht.

Ein Verbot alleine wird jedoch das Problem nicht heilen. Der Landeselternbeirat begrüßt deshalb nachdrücklich, dass dieses Verbot von flankierenden Maßnahmen begleitet werden soll. Es ist wichtig, dass in den Schulen nicht nur das Rauchen verboten wird, sondern gleichzeitig den Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern deutlich gemacht wird, welcher Gefahr sie sich aussetzen.

Hierbei wird es wenig helfen, lediglich auf die Gefahren des Rauchens durch Bildmaterial oder Vorträge hinzuweisen. Hierzu sind schon vielfältige Versuche gelaufen, die allesamt fehlgeschlagen sind, da offensichtlich der Mensch nach dem Prinzip lebt: „Das kann mir doch nicht passieren.“ Es wird wichtig sein, dahingehend zu unterstützen, dass Rauchen eben nicht cool ist, sondern ein Zeichen der Schwäche.

Es wäre daher wünschenswert, wenn sich die Schulgemeinden gemeinsam ein Ziel steckten, wie sie an ihrer Schule das Problem lösen können. Hierzu gehört selbstverständlich auch, dass sich Lehrerinnen und Lehrer an das Rauchverbot halten und nicht in der großen Pause eine Runde um den Block fahren, um der Sucht nachzugehen. Hilfreich kann es sicherlich auch sein, wenn ältere Schülerinnen und Schüler, die oftmals eher Vorbildcharakter haben als manche Eltern, als Antirauchpaten aufträten und mit dazu beitrügen, dass die Jüngeren gar nicht erst anfangen.

Es sind vor allem aber auch die Eltern gefordert, die sich mit ihren Kindern auseinandersetzen müssen und nicht einfach nur das Rauchen kommentarlos verbieten und damit die Kinder in die Heimlichkeit treiben.

Es wird des Mutes aller bedürfen, rauchende Menschen in der direkten Umgebung von Schulen anzusprechen, wenn sie wieder einmal zur Zigarette greifen. Es wird darüber hinaus aber auch dringend wichtig sein, dass gerade in den kleinen Geschäften und Kiosken in Schulnähe immer wieder Kontrollen gemacht und Missstände aufgedeckt werden, wenn hier Zigaretten an Menschen unter 16 Jahren verkauft werden. Äußerst wünschenswert wäre es in diesem Zusammenhang, wenn Zigarettenautomaten gar nicht mehr oder wenigstens nicht mehr in Schulnähe aufgehängt würden.

Der Landeselternbeirat von Hessen hofft sehr, dass das Rauchverbot an Hessens Schulen auch tatsächlich dazu führt, das Rauchverhalten der jungen Menschen zu ändern.

Sibylle Goldacker