Begründung und Zusammenhang zu S&G
Der Sinn von Bewegungs- und Wahrnehmungsförderung ist heute unumstritten, Motorik und Sensorik sind wichtige Bestandteile der menschlichen Entwicklung und müssen gerade im Rahmen der Schule angemessen beachtet und gefördert werden. Bewegung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit!
Sie ist ein wichtiger Entwicklungsreiz für die Reifung sämtlicher Elemente des Organismus, wie z.B. der Knochen, der Muskeln, der Nervenzellen, des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechsels, des Immunsystems und anderer Organsysteme.
Immer häufiger entwickeln Schülerinnen und Schüler auf dem Hintergrund fehlender Wahrnehmungs-und Bewegungsreize Lernprobleme, Verhaltensauffälligkeiten oder psychosomatische Leiden. Die Auswirkungen zeigen sich schon vielfach im Primarbereich, vermehrt jedoch auch in den weiterführenden Schulen.
Einschränkungen in der Quantität und Qualität von Wahrnehmungs- und Bewegungserfahrung können zu motorischer Unruhe, Ungeschick, emotionaler Labilität, Lernschwierigkeiten, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen führen.
Bewegungsmangel verhindert das Sammeln von Erfahrungen mit dem eigenen Körper. Schülerinnen und Schülern, die sich zu wenig bewegen, gelingt das Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung – Bewegung - Lernen und Leisten nur ungenügend oder ist erschwert.
Die Gründe für den mangelnden motorischen Zustand von Schülern sind vielfältig. Enge und gefährliche Wohnumgebung, fehlende Spielräume und Spielgefährten, zeitlich überlastete Eltern und Erzieher, die Bewegung selbst nicht vorleben, Konsumüberladung, ein zu hoher Medienkonsum ... führen zu passivem, gesundheitsschädlichen Bewegungsverhalten mit Auswirkungen auf das Lernen.
Der motorisch desolate Zustand der heutigen Schüler, vielfach durch Studien belegt, nennt folgende gesundheitliche Beeinträchtigungen:
Zunahme von Übergewicht
- Die weltweite Zunahme von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen wurde in den letzten Jahren besonders deutlich. Gravierende Gesundheitsprobleme wie Haltungsschäden, Kurzatmigkeit, erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes stehen damit in Verbindung.
- In Deutschlandland gelten inzwischen 15% aller drei-siebzehnjährigen Kinder und Jugendlichen als übergewichtig, etwa 6% als fettleibig [1].
Vermehrte Kreislaufschwächen
- Eine sportpädagogische Beurteilung zeigte, dass 50-65% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Haltungsschäden, 30-40% Koordinationsschwächen, 20-25% Herz-Kreislauf- und Kreislaufregulationsschwächen aufwiesen [2].
- Herz und Kreislauf profitieren deutlich von sportlicher Betätigung. Durch Bewegung werden die Organe leistungsfähiger, die körperliche Belastbarkeit wird erhöht und der Blutdruck ausgeglichen
Zunahme von Haltungs- und Bewegungsschwächen
- Schülerinnen und Schüler sitzen zu viel und bewegen sich zu wenig. Eine zunehmende Verkümmerung der Muskulatur und Schwächung des Bindegewebes ist festzustellen, so dass dadurch die Stabilisierung der Wirbelsäule nicht mehr gewährleistet ist und Überlastungsschäden in den Gelenken entstehen können.
- Dauerhaftes Sitzen in der Schule ist für den Rücken ungesund. Die Belastung der Bandscheiben der Lendenwirbelsäule ist im Sitzen um 40% höher als im Stehen.
- Bewegung stärkt die Knochen, beugt späterer Osteoporose vor und führt zu einer besseren Haltung.
Steigendes Unfallrisiko
- Schülerinnen und Schüler mit Bewegungsmängeln sind nur unvollkommen in der Lage, ihren Körper bei täglichen Bewegungsaktivitäten zu steuern und zu kontrollieren. Motorischer Übungsmangel wirkt sich negativ auf die koordinativen Fähigkeiten aus. Die daraus resultierende Ungeschicklichkeit erhöht die Unfallgefahr Durch Bewegungsspiele entwickeln Schüler wichtige psychomotorische Fähigkeiten wie Geschicklichkeit, Gleichgewichts- und Orientierungssinn.
Zunahme von Wahrnehmungsstörungen
- Schüler trainieren heute beim Spiel mit elektronischen Medien Augen und Ohren. Teilweise werden die entsprechenden Sinneswahrnehmungen dabei überfordert.
- Spiele, die körperliche Geschicklichkeit trainieren und damit auch die Lernfähigkeit unterstützen, werden seltener bevorzugt.
- Eine Vielfalt von Bewegungsreizen und Abwechslung der Wahrnehmungsreize verbessert die Konzentration.
- Bewegung fördert eine Reihe kognitiver Kompetenzen, was sich bedeutsam auf die sprachliche Entwicklung des Kindes auswirken kann.
- LRS, Dyskalkulie, ADS/ADHS und autistische Züge haben alle auch mit Problemen in der Verarbeitung von Wahrnehmungen zu tun
Steigerung der emotional-sozialen Probleme
- Bewegung, Spiel und Sport können einen wichtigen Beitrag zum Selbstvertrauen und Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen leisten.
- Die Zunahme von Depressionen, Angst und Störungen im Sozialverhalten muss aufmerksam machen. [3]
- Bewegung unterstützt den Abbau von Aggression und wirkt gewaltpräventiv.
[1] www.kiggs.de
[2] Mann-Luoma, R. et al. (2002): Integrierte Ansätze zur Ernährung – Bewegung - Stressbewältigung: Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen. Bundesgesundheitsblatt 12/2002, S. 952-959
[3] www.kiggs.de (Bella Studie)


