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Auf dem Weg zu einer gesunden Schule durch den Abbau von Aggressionen und Gewalt

Kurzfassung des Projektes der Herwig-Blankertz-Schule Hofgeismar. Es wird untersucht, wie Abbau von Aggressionen und Gewalt der Weg zu einer gesunden Schule sein können. Die Ausführlichen Artikel können über die Hyperlinks der Kurzfassung erreicht werden

1. Beziehung des Bausteins zum Begriff der Gesundheitsförderung [Langfassung]

Die Gesundheit von Schülern und Lehrern muss das Interesse aller sein, die im engeren sowie weiteren Sinne mit Schule, Schülern und Lehrern in Kontakt stehen.

Der Gesundheitsbegriff des Netzwerks umfasst körperliche, geistige, seelische und soziale Aspekte. Die Frage, wie mit Konflikten und Aggressionen umgegangen wird, beeinflusst in hohem Maße die geistige, seelische und soziale Gesundheit aller Beteiligten. Werden Konflikte aufgrund von Sprachlosigkeit gar mit körperlicher Gewalt zu lösen versucht, ist direkt die körperliche Gesundheit betroffen. Die Förderung der Gesundheit von Schülern und Lehrern wird als ein kontinuierlicher Prozess verstanden.

Der Baustein der HBS befasst sich daher mit der Frage, wie mit Konflikten derart umgegangen werden kann, dass Gewaltanwendung vermieden wird und die Gesundheit aller Beteiligten geschützt wird. Dabei reagiert sie auch auf die besondere Situation der hohen Anzahl an Spätaussiedlern in der Region und den damit verbundenen interkulturellen Konflikten (siehe 3).

2. Ziel der Maßnahme [Langfassung]

Die Herwig-Blankertz-Schule will durch Maßnahmen zum Toleranztraining und zur Gewaltprävention einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung des Klassen- und Schulklimas im Rahmen der Gesundheitsförderung leisten.

Der hohe Anteil an Spätaussiedlern in der Region und die räumliche Nähe zum Übergangslager Beberbeck bedingen ein interkulturelles Konfliktpotential zwischen Spätaussiedlern und in der Region Geborenen, insbesondere auch zwischen Spätaussiedlern und Mitbürgern, deren kulturelle Wurzeln in anderen Ländern liegen. Dieses Konfliktpotential spiegelt sich in Form von verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen, fremdenfeindlichen Tendenzen und rechtsradikalem Gedankengut wieder und wirkt auch in den schulischen Alltag hinein. Die Herwig-Blankertz-Schule stellt sich ihrer Verantwortung diese regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen und eine positive, gewalt- und angstfreie Schulkultur zu schaffen.

Arbeitsbereiche gemäß des Grundlagenpapiers und zu verwirklichende Ziele

Bewegung

  • Selbstverteidigung
  • Nähe-Distanz-Training
  • Selbstbehauptung/ -bewusstsein
  • Körperausdruck

Entwicklung einer Schul- und Gesundheitsstruktur

  • Erkennen und bewusst machen eigener Vorurteile (Funktion eines Sündenbockes erkennen)
  • Deeskalationsstrategien entwickeln
  • Erlernen von Strategien zum gewaltfreien Umgang mit Konflikten
  • Mediation

Lehrergesundheit

  • Aufbau von Kompetenz im Umgang mit Konflikten durch Mediation

Unterricht, Erziehung und Gesundheit

  • s. Bereiche Entwicklung einer Schul- und Gesundheitskultur sowie Lehrergesundheit

Schülergesundheit

  • angstfreies Lernen durch positive Schulkultur

3. Umsetzungsstrategien [Langfassung]

Die Umsetzung erfolgt durch

  1. unterrichtliche Vorbereitung in den Fächern Politik, Religion und Deutsch durch schulinterne Module
  2. regelmäßige Aktionstage „Schule ohne Gewalt und Rassismus“ mit einem Markt der Möglichkeiten nach individuellen Interessen der SchülerInnen u.a. zu den Themen Umgang mit eigenen Vorurteilen, verschiedenen Formen der Gewalt, Gewaltprävention
  3. Nachbereitung im Unterricht
  4. Gewaltpräventionsseminare nach Bedarf in einzelnen Klassen („Cool sein – cool bleiben“ in Zusammenarbeit mit der Polizei und ausgebildeten Moderatoren in der Schule)
  5. Lehrerfortbildung (HeLP) zur Ausbildung von Mediatoren???????????????? ?

Die Umsetzung erfolgt insbesondere während der Aktionstage handlungs- und erfahrungsorientiert. Die Schülerinnen und Schüler werden z.B. durch Rollenspiele und Übungen angeregt, verschiedene Perspektiven einzunehmen und ihre Wahrnehmung zu schulen. Sie können so am eigenen Leib nachfühlen, was z.B. Ausgrenzung bedeutet. Die Umsetzungsstrategie ist darauf abgestellt, die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich an die Thematik Gewalt und Rassismus heranzuführen.

4. Inner- und außerschulische Partner

Folgende Partner sind bzw. werden beim Aufbau eines regionalen Netzwerkes beteiligt:

  • die Jugendkoordination der nordhessischen Polizei mit dem Seminar: "Cool sein - cool bleiben"
  • das Polizeirevier Hofgeismar
  • das Netzwerk Schule und Gesundheit und entsprechende Ansprechpartner auf verschiedenen Ebenen
  • das Jugendzentrum Hofgeismar
  • Mitarbeiter des Arbeitskreises politische Bildung in Kassel (Jugendbildungswerk)
  • der Gewaltpräventionsrat der Stadt Hofgeismar
  • HeLP
  • die Schulleitung, die das Projekt befürwortet
  • die Kolleginnen und Kollegen, die Vor- und Nachbereitung unternommen haben
  • die Kolleginnen und Kollegen, die Workshops angeboten haben
  • der Vater eines Schülers, der eine Kampfsportschule leitet und einen Workshop zum Thema Selbstverteidigung angeboten hat
  • die regionale Presse, die die Berischterstattung übernimmt

5. Projektplanungen [Langfassung]

Was ist zu tun?

  • Entwicklung von Zielvorstellungen
  • Absprache von Zielvorgaben in einem Handlungsplan
  • Umsetzung des Planes
  • Erfassung des Ist-Zustands vor dem Antigewalttag sowie danach durch Befragung
  • Auswertung und ständige Evaluation
  • Vorbereitung des Anti-Gewalttages in den Fächern Deutsch, Politik und Religion

6. Evaluation [Langfassung]

Unser Baustein zielt auf Änderungen im Einstellungs- und Verhaltensbereich. Ein Erfolg ist objektiv auch deshalb schwer messbar, weil die Verweildauer an beruflichen Schulen durchschnittlich nur ca. zwei Jahre beträgt. Als Evaluationskriterien können dennoch das Arbeitsklima während des Unterrichts, die Anzahl und Form von Auseinandersetzungen zwischen den Schülerinnen und Schülern, Akzeptanz der Mitschüler unterschiedlicher Kulturen und Religionen sowie die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Mediation bei Kolleginnen und Kollegen herangezogen werden.

Durch eine Befragung vor und nach dem Antigewalttag werden aktuelle Erfahrungen der Schüler mit Gewalt an der Schule erfasst. Der Fragebogen ist im Anhang der Langfassung abgedruckt. Die Ergebnisse der Befragung werden im Folgenden kurz erläutert.

Die Bewertung der Ergebnisse kann nur unter Vorbehalt erfolgen. Gründe hierfür sind die niedrige Teilnehmerzahl an der Befragung, die mangelnde Ernsthaftigkeit sowie die offensichtlichen Verständnisprobleme beim Ausfüllen der Bögen. Die beiden zuletzt genannten Punkte wurden bei der Auswertung der Bögen anhand von unlogischen Antworten deutlich. Die betreffenden Fragebogen wurden nicht in die Bewertung einbezogen. Auffällig sind die insgesamt höheren Werte in der zweiten Befragung. Hier liegt die Frage nahe: Schaffen wir durch die Bearbeitung des Themas mehr Gewalt? Ermutigen wir gar Täter?

Diese Frage kann aus zwei Gründen verneint werden. Der Zeitpunkt der ersten Befragung liegt einige Wochen nach der Einschulung. Erfahrungsgemäß befinden sich die Schüler und die Klassen in einem ersten Kennenlernprozess, indem das neue Umfeld vorsichtig ertastet wird. Gruppen bilden sich erst nach und nach. Die zweite Befragung erfolgt nach Abschluss dieser Kennenlernphase. Jetzt werden Sympathien und Antipathien deutlich, die ersten Klassenarbeiten und Notenbesprechungen sorgen für Leistungsdruck und die ersten Konflikte treten auf. Zusätzlich wird die Sensibilität der Schüler für verschiedene Formen von Gewalt durch die Behandlung des Themas im Unterricht erhöht. Folglich treten vermehrt Konflikte auf und gleichzeitig wird Gewalt differenzierter und sensibler wahrgenommen als vorher. Beides kann die erhöhten Werte der zweiten Befragungen erklären.

Aus Gesprächen mit Kollegen, die sich im Unterricht des Themas annahmen, wurde aber deutlich, wie wichtig es ist, Raum für Gespräche und ein Nachdenken über Gewalt zu geben. Vielfältig wurde deutlich, dass unsere Schüler Gewalt am eigenen Leib erfahren haben. Nicht nur in der Schule sondern auch im privaten Umfeld. Die Möglichkeit darüber im Unterricht zu sprechen, half den Schülern ganz offensichtlich bei der Verarbeitung dieser Erfahrungen. Hier gerät Schule und hier geraten Lehrer schnell an ihre Grenzen, aber sie haben die Möglichkeit den Schülern kompetente Beratungen (Polizei, Jugendamt, Psychologen…) zu vermitteln. Das Signal, das unsere Schule durch die Behandlung des Themas setzt, ist aber eindeutig und richtig: Gewalt ist kein akzeptables Mittel zur Konfliktlösung und Opfer von Gewalt werden ernst genommen und dürfen sich trauen, Gewalt auch zur Sprache zu bringen.

7. Ansprechpartner

Michaela Höhmann oder Marion MettkeHerwig-Blankertz-SchuleMagazinstrasse 2334369 HofgeismarTel: 05671/99830Fax: 05671/40469

8.? Anhänge

??? 8.1 Checkliste Gewaltpräventationstag

??? 8.2 Übersicht Themenbereich Gewaltpräventation

??? 8.3 Übersicht Themenbereich Rechtsextremismus

??? 8.4 Workshopbeschreibung

??? 8.5 Medienliste Themenbereich Gewaltpräventation

??? 8.6 Fragebogen zur Schülerbefragung