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Inlinertraining "Quidditch auf Muggelart"

Eine besondere Art die Inlinefahrer/innen der Klassen 5 zu trainieren: Quidditch auf Inlinern

1.    Zum Inhalt

Mit dem nun begonnen Frühjahr werden wir im Verkehr auch zunehmend wieder die Inline-Skater antreffen, die sich auf Rollen zur Schule begeben. Eine Umfrage unter 124 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 des Gymnasiums in Nidda ergab, dass 75% der Kinder im Besitz von Inlinern sind. Jeder zweite Schüler beabsichtigt im Sommer in seiner Freizeit oder auf dem Weg zur Schule mit den Inlinern als Verkehrsteilnehmer den Bürgersteig zu benutzen.

Mit dem vermehrten Wahrnehmen der Inline-Skater tritt auch die Unfallstatistik in den Blickpunkt der „Verkehrserzieher“. Die Bundesunfallstatistik weist aus, dass in 43% der Kinderunfälle ein Gerät verwickelt ist und dabei schwerpunktmäßig drei Gerätegruppen zu nennen sind (hochgerechnete Unfallzahlen in Klammern):

  • Fahrräder (49 000)
  • Spielplatzgeräte (23 000)
  • Sportgeräte, insbesondere Wintersport- und Rollsportgeräte (98 000).

Bei den Sportgeräten stehen die Inline-Skater einschließlich Skateboards auf dem ersten Rang (rd. 23.000 Unfälle). Wenn man berücksichtigt, wie intensiv dieser Rollsport betrieben wird, kann diese Unfallentwicklung nicht wundern. Der typische Unfallablauf ist kurz beschrieben:

Auf öffentlichen Verkehrswegen stürzen Skater aufgrund zu hoher Geschwindigkeit. Schutzkleidung wird oftmals nicht getragen, Unkenntnis und Überforderung wirken dabei unfallbegünstigend. Um dieser Entwicklung erfolgreich entgegenzuwirken wurde am Gymnasium in Nidda ein neuer Weg beschritten. Motorisches Inliner-Training wurde so originell verpackt, dass nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit viel Motivation und Spaß ein Lernerfolg erzielt werden konnte.

2. Das Projekt „Quidditch auf Muggelart“

Im fächerübergreifenden Unterrichtsprojekt der fünf  Klassen 5 wurde im Sport-, Deutsch- und Kunstunterricht eine HARRY POTTER PARTY  für den Faschingsdienstag vorbereitet und durchgeführt. Im Fach Deutsch lasen die Schüler Geschichten von Harry Potter, in Kunst wurden Plakate gestaltet, Wappen und Fahnen hergestellt. Zahlreiche Eltern engagierten sich durch das Backen von themengerechten Kuchen und Speisen wie zum Beispiel gebackene Zauberstäbe, Quditchburger oder Spinnenmuffins und einige Mütter und ein Vater nähten Umhänge für die größte Attraktion des Vormittages: das Quidditchturnier auf Muggelart. Bei dieser Variante des „Harry Potter Lesern“ bestens bekannten Spiels bewegen sich die Mitspieler/innen nicht auf Besen, sondern auf Inlinern. Die Regeln wurden in Anlehnung an die Harry-Potter-Geschichten entwickelt (Anhang) und von allen Kindern schnell umgesetzt. Gespielt wird in der Turnhalle. Auf jeder Seite der Halle sind drei „Torpfosten“ angebracht, dieses sind die Pfosten zum Aufspannen des Volleyballnetzes jeweils mit einer Polstermanschette (bekannt aus dem Volleyballwettkampf) gesichert und an deren oberen Ende selbst hergestellte Tierfiguren, die jeweils einen Gymnastikreifen halten(Einen Bauplan können sie beim Verfasser anfordern). Die Spielerinnen und Spieler und die Schiedsrichter tragen von Eltern genähte Umhänge. Die Unhänge sind nicht unbedingt nötig (gefallen den Kindern aber natürlich sehr, wir haben uns den Schnitt aus dem Internet gezogen) und können auch durch verschieden farbige Bänder ersetzt werden. Als Bälle, die in diesem Fall Klatscher und Quaffel heißen, wurden Softbälle verwendet, um die Verletzungsgefahr klein zu halten und den Angstfaktor zu minimieren; als „Goldenen Schnatz“ : so genannte Flummibälle. Der Hüter wurde mit einem Tennisschläger ausgestattet. Alle Kinder waren zum Motto passend als Hexen, Zauberer oder magische Wesenverkleidet.

3. Die Ziele

Das Spiel erfordert neben den balltechnischen Fähigkeiten gute motorische Fertigkeiten zur Beherrschung  der Inlinertechnik.  Die Spieler und Spielerinnen müssen sich schnell fortbewegen, Kurven fahren und oftmals schnell bremsen. Durch die Spieltaktik müssen die Schüler und Schülerinnen ihre Mitspieler beobachten, die Spielsituation einschätzen und schnell darauf reagieren. Fähigkeiten und Fertigkeiten die sie auch in alltäglichen Situationen als Inline-Skater und Verkehrsteilnehmer auf dem Gehweg benötigen. Trotz Konkurrenzsituation im Spiel sollte gegenseitige Rücksichtnahme vor dem Willen zum Gewinnen stehen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen also:

  • Ihre motorischen Fertigkeiten beim Inlinerfahren, insbesondere beim Bremsen und  Kurven fahren, verbessern
  • Lernen ihr Umfeld (wie auch den Verkehr) zu beobachten und angemessen schnell darauf zu reagieren
  • Soziale Kompetenz im Umgang mit anderen Spielern (oder auch Verkehrsteilnehmern) erwerben

4. Methodische Anmerkungen

Selbstverständlich müssen alle Spielerinnen und Spieler eine komplette Schutzausrüstung, bestehend aus Knieschonern (Knee Pads), Handgelenkschonern (Wrist Guards), Ellenbogenschonern (Elbow Pads) und Helm tragen. Wir gestatteten unseren Schülern auch das Tragen von Fahrradhelmen, was in Fachkreisen nicht unumstritten ist.

Bei unserem Turnier stellte jede Klasse zwei Mannschaften, die sich in Anlehnung an die literarische Vorlage einen besonderen Namen gaben und ein Wappen gestalteten.  Wir bildeten für den Spielplan zwei Gruppen, so dass zumindest in der Vorrunde gesichert war, dass die beiden Klassenmannschaften nicht gegeneinander spielen mussten. Dadurch war gewährleistet, dass eventuell fehlende Teile der Schutzausrüstung innerhalb der Klasse ausgeliehen und weitergegeben werden konnten.

Im Sportunterricht sollten in der Woche vor der Veranstaltung Übungen zum Bremsen und Fallen auf Inlinern durchgeführt werden. Ist dies nicht möglich wäre ein gemeinsames Aufwärmprogramm zu empfehlen, in welchem Fallübungen integriert werden sollten. Wir empfehlen dazu das Arbeitsheft „Skate & Roll“ von Eric Bayer, herausgegeben von der Deutschen Verkehrswacht. Da die Schülerinnen und Schüler beim Quidditchspiel sehr oft einen Ball in den Händen halten, empfehlen wir besonders die Technik des „Double-Kneeing“

Die Spielzeit sollte nicht länger als 10 Minuten betragen, um die Kondition der Spieler/innen und die Geduld der Wartenden nicht zu sehr zu belasten. Das Schiedsgericht besteht aus dem Zeitnehmer, ein bis drei Schiedsrichtern (bei uns gekennzeichnet durch grüne Umhänge), zwei Schnatzwerfern und je einem Zähler auf jeder Torseite.

Durch die Verwendung der Bremsen entstehen oft schwarze Streifen auf dem Hallenboden. Wir haben uns vor dem Turnier vom Hausmeister ein Reinigungsmittel geben lassen, die Schüler haben Lappen mitgebracht und am Ende der Veranstaltung hat jede Mannschaft einen vorher bestimmten Bereich in der Halle gereinigt.

Um das Projekt noch etwas lebendiger zu gestalten haben wir vorher noch einen separaten „Flugbesenbauwettbewerb“ durchgeführt und die Ergebnisse (84 Besen) im Schultreppenhaus ausgestellt. Während der Pause zwischen Vorrunde und Endspielen haben wir einen Kostümwettbewerb durchgeführt.

Eine besondere Variante des „Schnatzwerfens“ haben wir vor zwei Jahren erprobt. Wir stellten auf der Tribüne eine beim örtlichen Tennisverein ausgeliehene Tennisballwurfmaschine auf, die im Abstand von mindestens 30 Sekunden die Bälle in die Halle warf. In diesem Fall müssen unbedingt Helfer eingeteilt werden, die die nicht gefangenen Bälle mit Eimern einsammeln und zur Ballwurfmaschine zurück bringen.

Um den Unterricht möglichst wenig zu beeinträchtigen und wenig beliebte Vertretungsstunden durch die Veranstaltung auszuschließen wurde nur der Autor vom Unterricht freigestellt. Alle Lehrkräfte die im normalen Stundenplan in den Klassen Unterricht gehabt hätten wurden als Aufsicht in der Turnhalle eingesetzt. Turnierleitung und Schiedsgericht wurden von einer siebenten Klasse übernommen. Die siebente Klasse wurde absichtlich gewählt, da die Schülerinnen und Schüler vor zwei Jahren bereits ein solches Quidditchspiel getestet hatten, so also spielregeln und Organisation kennen.

5. Fazit

Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert von der Veranstaltung und die Schulleitung hat vorgeschlagen diese Veranstaltung im kommenden Jahr mit den „Neuen 5ern“ zu wiederholen. Die Eltern waren voll des Lobes und auch die Aufsicht führenden Kolleginnen und Kollegen fanden es eine prima Idee, “Fasching zu feiern und gleichzeitig etwas für die Verkehrssicherheit zu tun“.

Trotz zahlreicher Stürze hatten wir  (von einem verstauchten Daumen abgesehen) nicht eine einzige Verletzung. Schulen aus dem Umfeld haben bereits angefragt, ob sie das Equipment zur Veranstaltung bei uns ausleihen können – was wir natürlich gern tun.

6. Literatur

  • Eric Bayer „Skate & Roll“ Deutsche Verkehrswacht Meckenheim 2001

Arbeitsblätter