zurück zu: Gewerbliche Schulen des Lahn-Dill-Kreises
Suchtvorbeugung-Wege zum Erfolg
Aktionstage zur SuchtvorbeugungSuchtvorbeugung
Wege zum Erfolg Aktionstage an den Gewerblichen Schulen Dillenburg
Rauche ich eher, wenn es mir schlecht geht oder wenn es mir gut geht? In welchen Situationen konsumiere ich eher Alkohol?
Schülerinnen und Schüler konnten sich an den Gewerblichen Schulen in Dillenburg mit dem Thema Sucht und ihrem eigenen Umgang mit Süchten auseinandersetzen. Zentraler Bestandteil der Aktionswoche war ein neunzigminütiger Lernparcours durch die Landschaft unserer Süchte und der verschiedenen Hilfsorganisationen, den gut 1.000 Schülerinnen und Schüler während der Aktionswoche durchlaufen konnten.
Interessante Kooperationspartner wie die Suchtkliniken Ederbergland und Eschenburg, die Unfallkasse Hessen, der Bund gegen Alkohol und Drogen am Steuer, sowie zwei Selbsthilfegruppen der Region, ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie des PKH-Herborn, die Kriminalpolizei, das Diakonische Werk und Krankenkassen ließen sich für die aktive Teilnahme an der Veranstaltung gewinnen. Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 40 Jahren konnten sich sowohl über Süchte und deren Gefahren informieren, als auch die Vertreter der Institutionen von Mensch zu Mensch kennenlernen, die im Falle einer Suchtdisposition oder Suchterkrankung helfen.
Die schwerpunktmäßig bis etwa Mitte der 70er Jahre stehende Abschreckung zeigt gerade bei potentiell süchtigen Menschen nur geringe Wirkung, da diese die dargestellten schwarzen Raucherlungen und amputierten Beine strukturell nicht mit ihrer Person in Verbindung bringen. Die darauf bis in die 90er Jahre folgende Phase der vornehmlich sachlichen Aufklärung hat dagegen dominant lediglich die kognitive Ebene angesprochen und bisweilen sogar auch noch als Gebrausanweisung fungiert. Daher steht für die Beratungslehrer für Suchtprävention Gabriele Lohaus-Interwies und Dr. Karl-Heinz Dentler vorbeugendes Agieren und konkrete Hilfe im Sinne ursachenorientierter Suchtprävention neben Abschreckung und Aufklärung im Vordergrund ihrer Arbeit.
Entsprechend standen Erfahrungen und die exemplarische Stärkung des Selbstwertgefühls im Zentrum des Lernparcours, um erst gar nicht in die Suchtfalle zu geraten. Dies konnte beispielsweise durch positive Körpererfahrungen an einer von Fachkollegen eingerichteten Bewegungsbaustelle ausprobiert werden. Hier konnten die aktiven TeilnehmerInnen selbst erfahren, welche Fähigkeiten sie in nüchternem Zustand mobilisieren können, um mit eingeschränktem Sehvermögen Hindernisse zu bewältigen. In einem Fahrsimulator bestand die Möglichkeit, durch einen vorgetäuschten Tunnelblick zu entdecken, wie sich jedoch schon geringe Mengen an Alkohol unerwartet auf das Fahrverhalten auswirken. Eine weitere Attraktion war die Kletterwand (siehe Foto), bei der die Jugendlichen unter erschwerten Bedingungen (über Gewichte und unklare Brille wurde ein Rauschzustand simuliert) erleben konnten, wie durch Drogenkonsum die Leistungsfähigkeit abnimmt. An weiteren Ständen berechneten SchülerInnen die bisher aufgelaufenen Kosten ihres Tabakkonsums und deren Auswirkung auf die Lungenleistung mittels eines PC-Programms.
Der an einem anderen Stand zu erfahrene Fettgehalt ihres Körpers führte zu zahlreichen Diskussionen über die Fitness der Schülerinnen und Schüler und darüber, dass nicht das geringste Körpergewicht auch das der Gesundheit zuträglichste sein muss. In Gesprächen mit Drogenabhängigen konnten hautnahe Berichte von Betroffenen gehört werden. Eine kleine PowerPoint-Präsentation mit vielen Anschauungsmaterialien klärte die Jugendlichen über die Gefahren der Alkopops auf.
Nicht jede Hilfsorganisation war in der Lage eigene Vertreter über eine ganze Woche an unserer Schule zu senden. Wie konnten deren Informationen dennoch wirksam und interessant transportiert werden? Wir entwickelten die Idee, dass die Kooperationspartner Schüler und Schülerinnen unserer Schule im Vorfeld fit machen sollten, damit diese mit einem guten Grundstock an Wissen ausgestattet auftreten konnten und so die Vielzahl der Stände der Aktionswoche jederzeit kompetent besetzt waren.
Die Idee, Schüler als Paten für die Kooperationspartner auszubilden, stieß bei den beteiligten Institutionen auf sehr gute Resonanz. Hierzu bearbeitete jeder Kooperationspartner nach Absprache mit den einbezogenen Klassenlehrern intensiv mit dessen Klasse ein Themenschwerpunkt. Themen waren z.B.: Mager- und Fettsucht, genießen lernen, Rauchen oder die Sucht aus polizeilicher Sicht. Neben der praktischen Hilfe zur Umsetzung der Aktionswoche wurden damit insgesamt sieben Klassen zu aktiven Mitgestaltern der Präventionswoche. Die Vorbereitung wurde von den Schülern im Klassenverband entwickelt. Für die Durchführung der Woche wurde ein Schülereinsatzplan erstellt, der eine kontinuierliche kompetente Standbetreuung ermöglichte und den regulären Unterricht störungsfrei weiterlaufen ließ.
Um der hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit heterogenen Schülerschaft einen zusätzlichen Anreiz zu bieten, die Angebote aller Stationen wahrzunehmen, wurde mit den beteiligten Gruppen ein Erkundungsleitfaden zu den einzelnen Stationen unter dem Motto "Voll da, statt voll drauf"-Rallye erarbeitet, mit dem die Besucher durch den gesamten Lernparcours geführt wurden. Oft wurde gerade dieser Erkundungsleitfaden dazu genutzt, um Berührungsängste abzubauen und mit den Standbetreuern ins Gespräch zu kommen. Zudem diente er dazu, das im Lernparcours erlebte in der Klasse nochmals aufzugreifen und in den nächsten Stunden weiter zu besprechen. Ein während dieser Woche von der Ernährungsabteilung eingerichtetes Café bot die Möglichkeit den ein oder anderen Handzettel nochmals in Ruhe durchzulesen oder zu diskutieren.
Zur Abdeckungen der entstandenen Kosten unserer Aktionstage suchten wir uns finanzielle Unterstützung von ortsansässigen Firmen. Trotz der Maßgabe, dass unsere Schule bis auf eine Sponsorentafel werbefreie Zone bleibt, wurde unser Anliegen durchaus positiv aufgegriffen.
Die Vorbereitungen für die Aktionswoche erstreckten sich über fast neun Monate hinweg. Unsere anschließende Evaluierung brachte einige Verbesserungsansätze hervor. So erscheint eine intensivere Kooperation mit den Beratungslehrern der benachbarten Schulen wünschenswert, und die Fragen zu dem Lernparcours bedürfen an einigen Stellen der Überarbeitung. Ebenfalls muss die Nachhaltigkeit der angestoßenen Erfahrungen in der Nachbereitung in den Klassen ausgebaut werden. Insgesamt war die Aktionswoche jedoch ein voller Erfolg. Dies kann man an vielen positiven Rückmeldungen der Besucher und KollegenInnen messen, an vier außergewöhnlich und interessierten Artikeln der örtlichen Presse und daran, dass alle Beteiligten gerne bereit sind sich wieder aktiv an einer erneuten Aktionswoche zu beteiligen.
Gabriele Lohaus-Interwies: g.lohaus@t-online.de
Dr. Karl-Heinz Dentler: karl-heinz.dentler@online.de


