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Gewaltprävention und Konfliktmanagement

Eisner, M., Jünger, R. & Greenberg, M. (2006). Gewaltprävention durch die Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen in der Schule: Das PATHS/PFAD Curriculum. Praxis der Rechtspsychologie, 16, 144-168.

    Abstract:
    Die deutschsprachige Version des in den USA entwickelten PATHS-(Promoting Alternative Thinking Strategies-)Curriculums zur schulischen Förderung sozialer Kompetenzen als Maßnahme der Gewaltprävention wird vorgestellt. Das evidenzbasierte Programm wurde gezielt für das "Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung von Kindern" übersetzt und wurde in der Version PFAD (Programm zur Förderung Alternativer Denkstrategien) im Schuljahr 2005/2006 in etwa 60 Primarschulklassen der zweiten Klassenstufe eingesetzt. Die theoretischen Grundlagen von PATHS (ABCD-(Affective-Behavioral-Cognitive-Dynamic-)Modell der psychosozialen Entwicklung, ökologische Entwicklungspsychologie, Neurobiologie, psychodynamische Erziehung, emotionale Intelligenz) werden beschrieben. Die Lektionen der Version PFAD können drei Bereichen zugeordnet werden: Verständnis und Kommunikation von Gefühlen, Kompetenzen zu prosozialem Verhalten, Selbstkontrolle und soziales Problemlösen. Die Ergebnisse der Evaluationsforschung, die bislang nur aus den USA vorliegen und in tabellarischer Form mit Kommentierung kurz präsentiert werden, belegen die Wirksamkeit von PATHS zur Verbesserung sozialer und emotionaler Kompetenzen. Mit Blick darauf, dass die Qualität der Umsetzung von Programmen entscheidenden Einfluss auf deren Wirksamkeit hat, werden mit der Ausbildung und Begleitung der Lehrer Faktoren benannt, die zu beachten sind. Im Zürcher Modellversuch wurden diesbezüglich folgende Maßnahmen getroffen: individuelles Coaching, Newsletter, Auffrischungskurs. Abschließend werden einige Probleme der Implementierung (Lehrermotivation, Umsetzungsqualität, Zeitaufwand, Kosten) besprochen.

Gasteiger-Klicpera, B. (2002). Konfliktmediation in der Grundschule - eine Pilotuntersuchung. Heilpädagogische Forschung, 28 (2), 80-89.

    Abstract:
    Im Versuchs-Kontrollgruppendesign wurde ein Programm zur friedlichen Lösung von Konflikten durch Mediation an 122 Kindern vierter Grundschulklassen evaluiert. Das Programm umfasste 12 Klassensitzungen von je einer Schulstunde, mit zusätzlich drei Sitzungen zur Implementierung und Übung. Inhalte waren Arten von Konflikten und Konfliktregeln, richtiges Verhandeln, Emotionsregulation. Schließlich wurde die Mediation von Konflikten eingeübt und in den Klassen erprobt. Für die Evaluation wurden die Kinder vor Beginn der Intervention, nach Ende der Trainingssitzungen und vier Monate später befragt. Der Fragebogen für die Schüler umfasste Skalen zur Qualität der Klassengemeinschaft, dem eigenen Sozialverhalten, der Wahrnehmung des Verhaltens der Mitschüler sowie dem emotionalen Befinden in der Klasse. Auch die Lehrer wurden zum Klassenklima, zum Sozialverhalten und zur sozialen Kompetenz jedes einzelnen Schülers befragt. Sowohl nach Einschätzung der Lehrer als auch der Schüler reduzierten sich das aggressive Verhalten und die Viktimisierung der Schüler deutlich. Die Lehrer beobachten darüber hinaus eine Zunahme der sozialen Kompetenz der Interventionsgruppe, die sich vor allem in einer besseren Fähigkeit zum Lösen von Konflikten zeigt. Auch das Projekt selbst wurde von den Schülern positiv beurteilt.

Hascher, T., Hersberger, K. & Valkanover, S. (2004). Agieren statt reagieren. "Gewalt in der Schule" - drei Mythen und was es mit ihnen auf sich hat. Psychoscope, 25 (1), 6-9.

    Abstract:
    Drei im Diskurs um Aggression und Gewalt in der Schule existierende Mythen werden dekonstruiert, und mit Blick auf das Ziel der Gewaltprävention wird zu einer Strategie des Agierens anstelle des Reagierens aufgefordert. In Bezug auf den ersten Mythos (gute Schulen und guter Unterricht sind störungs- und gewaltfrei) wird darauf verwiesen, dass das didaktische Verständnis von Schulumwelt als einem starren Konstrukt unangemessen ist und dass Gewalttätigkeiten eine komplexe Ursachenstruktur haben, in deren Rahmen Lehrer nur begrenzte Verantwortlichkeit haben. Im Hinblick auf den zweiten Mythos (Gewaltprävention in der Schule ist nur dann erfolgreich, wenn alle mitmachen) wird die Auffassung vertreten, dass auch eine kleine Gruppe von Lehrenden den Gedanken der Gewaltprävention in die Schule einbringen und aktiv vorantreiben kann. In der Dekonstruktion des dritten Mythos (Lehrkräfte können Aggressionen und Gewalt in der Schule frei von Emotionen begegnen) werden Ängste und Unsicherheiten von Lehrern, die zu Handlungsunfähigkeit führen, thematisiert. Abschließend werden verschiedene Maßnahmen aufgezählt, die Lehrer zur Gewaltprävention einsetzen können.

Hoigaard, R. & Mathisen, P. (2003). Lösungsorientierte Gespräche mit Schülern. Die Deutsche Schule, 95 (1), 62-67.

    Abstract:
    Ziel der Studie ist es, auf konkrete und einfache Weise zu beschreiben, wie ein Lehrer mit einem Schüler lösungsorientierte Beratungsgespräche führen kann, die Zeit und Kraft sparen. Wer Schülerinnen und Schüler lösungsorientiert beraten will, sollte bei deren Kompetenzen ansetzen und nicht bei den Defiziten. Beratung soll die Schüler dazu anregen, ihre schon vorhandenen Möglichkeiten zur Lösung eines Problems zu entdecken und diese konstruktiv zu nutzen. Hilfreich ist dabei eine spezielle Fragetechnik der Lehrerinnen und Lehrer.

Mohr, A. (1999). Das Erleben von Gewalt und Aggressionen in der Schule - ein Ansatzpunkt für die schulische Gesundheitsförderung? Zeitschrift für Gesundheitspsychologie. 7 (4), 203-212.

    Abstract:
    Ausgehend von dem Befund, dass manche Kinder und Jugendliche regelmäßig zur Zielscheibe von Aggressionen ihrer Mitschüler werden, wird untersucht, welche Bedeutung dieses Erleben von "Peer-Viktimisierung" für die seelische Gesundheit der jugendlichen Opfer hat und inwieweit sich im Zusammenhang damit Ansatzpunkte für die schulische Gesundheitsförderung ergeben. Die Ergebnisse einer querschnittlichen Fragebogenstudie an 733 Schülerinnen und Schülern der 5. bis 9. Klasse (Durchschnittsalter: 13.28 Jahre) zeigten, dass das Erleben von Peer-Viktimisierung signifikant mit verschiedenen Indikatoren der seelischen Gesundheit korrelierte und die Opfer von Peer-Viktimisierung eine geringere seelische Gesundheit aufwiesen als Kontrollpersonen. Darüber hinaus leistete das Erleben von Peer-Viktimisierung im Kontext anderer ebenfalls gesundheitsrelevanter schulischer Variablen einen signifikanten Beitrag zur Varianzaufklärung in Negativ-Indikatoren der seelischen Gesundheit. Die Ergebnisse werden als Hinweis darauf gewertet, dass die Verminderung von Peer-Viktimisierung ebenso wie die Befähigung von Schülern, Ressourcen in der Peer-Gruppe zu aktivieren, Ziele schulischer Gesundheitsförderung sein sollten.

Schick, A. (2006). Evaluationsstudien zum Gewaltpräventions-Curriculum Faustlos. Praxis der Rechtspsychologie, 16, 169-181.

    Abstract:
    Alle bislang vorliegenden Evaluationsstudien zu Faustlos, einem schulbasierten Programm zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen als Maßnahme der Gewaltprävention, werden beschrieben und kommentiert. Nach einer knappen Skizze der Ziele und Elemente von Faustlos (Empathieförderung, Impulskontrolle, Umgang mit Ärger und Wut) werden fünf Studien zur Sekundarschulversion, vier Studien zur Grundschulversion und zwei Studien zur Kindergartenversion hinsichtlich Autoren, Stichproben, Design und Methode sowie Ergebnissen tabellarisch präsentiert und erläutert. Insgesamt belegen die Studien, dass Kinder durch Faustlos sozial und emotional kompetenter und weniger aggressiv werden. Positive Nebeneffekte existieren etwa in Form einer Verbesserung des Klassen- und Lernklimas, eines Zuwachses an verbalen Kompetenzen der Schüler sowie persönlichen Bereicherungen der beteiligten Lehrer. Ansatzpunkte für die künftige Forschung zu Faustlos (Stabilität und Generalisierung der Effekte, Zusammenhänge zwischen Schulleistungen und sozial-emotionalen Kompetenzen, begleitende Elternarbeit) werden genannt.

Spröber, N., Schlottke, P.F. & Hautzinger, M. (2006). ProACT + E: Ein Programm zur Prävention von "bullying" an Schulen und zur Förderung der positiven Entwicklung von Schülern - Evaluation eines schulbasierten, universalen, primärpräventiven Programms für weiterführende Schulen unter Einbeziehung von Lehrern, Schülern und Eltern. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 35 (2), 140-150.

    Abstract:
    Untersucht wird die Wirksamkeit eines für weiterführende Schulen entwickelten universalen Mehr-Ebenen-Programms zur Prävention von Viktimisierung in Schulen (proACT + E). Es wurde angenommen, dass (1) durch die Einführung des kognitiv-verhaltenstheoretisch orientierten Trainingsprogramms Bullying/Viktimisierung in Schulen wirkungsvoll reduziert und positives Sozialverhalten verbessert werden kann und (2) das Verhalten der Schüler sich dann am nachhaltigsten in der gewünschten Richtung verändert, wenn die Eltern mit einem Elterntraining einbezogen werden. An der Studie nahmen 145 Realschüler fünfter Klassen im mittleren Alter von elf Jahren teil. Die Evaluation des Programms erfolgte in Form eines Prä-/Posttestdesigns mit Kontrollgruppe (Nachuntersuchung nach zwei Wochen und vier Monaten). Die Schulen wurden zufällig drei Bedingungen zugewiesen (proACT: Klassentraining (Schüler und Lehrer), proACT + E: Klassen- und Elterntraining, Kontrollgruppe: unspezifische Intervention; jeweilige Gruppengrößen werden nicht mitgeteilt). Die Ergebnisse auf der Basis der Selbsteinschätzungen der Schüler zeigten eine signifikante und stabile Reduktion problematischer Verhaltensweisen (verbale Aggression, Gewaltbereitschaft). Diese Verbesserung der sozialen Kompetenzen und Konfliktlösungsmöglichkeiten der Schüler gelang nur bei Einbeziehung der Eltern. Die Befunde belegen die Akzeptanz, die Einsetzbarkeit und die Wirksamkeit eines schulbasierten Gewaltpräventionsprogramms und die Notwendigkeit eines Einbezugs der Eltern